Jedermanns Material im mittelalterlichen Europa
Das Römische Reich fiel, aber die Bedürfnis von Leders nicht. Karl der Große übernahm die Regelung des Markts und führte Steuern auf einige Produkte ein. Das Leder wurde zu dieser Zeit nicht mehr aus fernen Ländern importiert, sondern stammte meist aus eigenen Produktionen und nahe gelegenen Gebieten. Die Lederverarbeitung hinkte jedoch in Europa etwas hinter Vorderasien und Nordafrika, die wesentlich bessere Qualität herstellten und die Mengen sehr viel höher waren. Wolle war ein guter Konkurrent für das Leder, war die Verarbeitung doch leichter und erschwinglicher. Und dabei ließ sich sogar der Kaiser von China lieber in vergoldetes Leder kleiden als in Seide - wusste schon Marco Polo von seinen Reisen zu berichten.
Saffian Leder
Trotz des Verbrauches von Leder entstand jedoch erst um 1749 die erste Fabrik für Saffian-Leder. Saffian ist ein feines, weiches Leder, das nach marokkanischer Art gegerbt und nach deren Stadt Safi benannt wurde. Es wurde für die Herstellung von Schuhwerk, Portefeuilleartikel sowie für Buchbindearbeiten genutzt. Knapp 50 Jahre später wurde in Choisy in Frankreich eine weitere gegründet und erhielt so einen enormen Aufschwung und Saffianleder wurde zu einem beliebten Material, obwohl es bereits in den Jahrhunderten vorher eingeführt wurde als so genanntes Meschinleder und in Europa nur noch mit Teefarben gefärbt wurde.
Leder Import
Zu dieser Zeit begann man wieder Leder zu importieren, oftmals aus Sibirien und den östlichen Ländern. Dieses Monopol wunde von der jüdischen Gemeinschaft in Warschau kontrolliert und geregelt, da sie direkte Kontakte zu den Pelzjägern in den Weiten der Eisebenen hatten. Die hohe Nachfrage nach Leder ließ immer wieder neue Lederarten entstehen, doch die Herstellung der einzelnen verlagerte sich auf bestimmte Gegenden. So wurde in Holstein Rossleder verarbeitet, in Hamburg und Trier Sohlenleder, Lackleder in Worms, farbige Leder in Offenbach, Glacéleder in Berlin und so weiter.
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